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05.01.2017

Wir wünschen euch ein gesegnetes Jahr 2017!

Mit tollen Erlebnissen, neuen Freundschaften, Spannung und Erholung.

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. (Hesekiel 36,26)

Kontaktmöglichkeiten
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CVJM Lohra e.V.
Lindenplatz 5a, 35102 Lohra
E-Mail

Telefon (0 64 62) 16 86
Homepage www.cvjm-lohra.de
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Was wir mit TEN SING erreichen wollen

Ab September 2014 wird der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) Lohra e.V. ein für Lohra neues Jugendkulturprojekt ins Leben rufen. TEN SING ist ein bewährter Arbeitszweig des CVJM in ganz Europa. In wöchentlichen Übungsstunden planen Jugendliche ab 13 Jahren innerhalb eines Jahres eine Bühnenshow von der Idee bis zur Aufführung. In Workshops wie Chor, Band, Tanz, Theater, Bühnenbild und Technik werden die verschiedenen Elemente einstudiert. Dabei können die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer - angeleitet von Älteren - immer mehr Verantwortung übernehmen. Auch Chorleitung und Organisation funktionieren nach diesem Prinzip der Partizipation. Durch das Entdecken und Entwickeln der eigenen Gaben werden die Jugendlichen ihre Selbstwirksamkeit neu erleben und damit Selbstvertrauen gewinnen.

TEN SING in Lohra wird mit dem hohen Einsatz von etwa 10 ehrenamtlich Mitarbeitenden, einer Chorleiterin und einem hauptamtlichen Pädagogen realisiert.

 

Unser Konzept

Der CVJM-Lohra e.V.

1992 entstand aus der Jugendarbeit unserer ev. Kirchengemeinde in Lohra eine Vereinsstruktur. Seit dieser Zeit sind wir vom Kirchenvorstand mit der Durchführung der Kinder- und Jugendarbeit der Kirchengemeinde beauftragt und stehen in einem engen und konstruktiven Verhältnis. Neben regelmäßig stattfindenden Kinder- und Jugendgruppen (Jungscharen, Teenkreis), bieten wir eine Sportgruppe (Floorball) und einen Jugendchor an. Wir haben konstant etwa 40 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von einem hauptamtlichen Pädagogen (Jugenddiakon) geschult und betreut werden.

Die Anbindung an den CVJM lässt uns die Menschen weit über die Grenzen unserer Kirchengemeinde in den Blick nehmen. In den Leitlinien des CVJM in Deutschland ist zu lesen: „Die Teilnahme an den Programmen des CVJM steht Jungen und Mädchen, Frauen und Männern aus allen sozialen, ethnischen, kulturellen und religiösen Gruppen offen. Die Angebote tragen zu gegenseitigem Verständnis und Respekt bei.“[1]

In einer Zeit, in der Heranwachsende ein hohes Maß an Leistungsdruck zu spüren bekommen, ist uns wichtig, sie in unserer Arbeit so anzunehmen, wie sie sind. Sie müssen keine kognitive, sportliche oder musische Leistung erbringen um dabei sein zu können. Das haben unsere Mitarbeitenden erfahren und geben es nun weiter. Aber natürlich werden sie in Seminaren gefördert, können Gaben entdecken und Verantwortung übernehmen. Das Besondere an unserer Arbeit ist vielleicht gerade dieses Spannungsverhältnis, das sich durch die große Vielfalt unseres Angebots positiv auf die Entwicklung der Heranwachsenden auswirken kann.

Eine Mitgliedschaft wird nicht verlangt, sodass eine finanzielle Beteiligung nur bei Fahrten und Freizeitmaßnahmen nötig ist. Hier können jedoch Einzelbeihilfen aus kirchlichen Mitteln gewährt werden.

In 12 regelmäßigen Gruppen erreichen wir momentan ca. 50 Kinder und 75 Jugendliche/Junge Erwachsene. Bei Projekten sind es weit mehr: Kinderbibelwoche (alle zwei Jahre mit 50-60 Kindern), Lutherfest (mit 80 Kindern), Jugendfreizeiten, Familientreffen.[2]

Dennoch müssen wir feststellen, dass es immer schwieriger wird, Jugendliche mit den klassischen Gruppenangeboten (z.B. Jugendkreis) zu erreichen. Bisher sehr erfolgreiche Projekte wie Sommerfreizeiten sind für viele Familien finanziell nicht mehr realisierbar.

Kinder und Jugendliche können in unserer Arbeit Gemeinschaft erleben, die Angebote mitgestalten und ihrem Alter entsprechend Verantwortung übernehmen. In Gleichaltrigen und Älteren finden sie Menschen, die ihnen zuhören und Probleme ernst nehmen. Der christliche Glaube soll zusätzlich Halt und Orientierung bieten. Mitarbeitende versuchen, ihren Glauben authentisch zu Leben und zur Sprache zu bringen  Dabei ist uns wichtig, dass niemandem eine Meinung aufgezwungen wird.

Als CVJM Lohra e.V. haben wir in Zusammenarbeit mit der Ev. Kirchengemeinde alle wichtigen Voraussetzungen für die geplante Arbeit: Räumlichkeiten, eine technische Grundausstattung und einen Mitarbeiterstab, bestehend aus einem hauptamtlichen Jugenddiakon, einer Chorleiterin und vielen Ehrenamtlichen.

 

 

Unser Projekt

Mit TEN SING bieten wir den Jugendlichen nun etwas für unser Dorf völlig Neues an. TEN SING Gruppen arbeiten aber bereits seit 1986 erfolgreich unter dem Dach des CVJM in Deutschland.

Kurz zusammen gefasst: In wöchentlichen Übungsstunden treffen sich Jugendliche ab 13 Jahren und erarbeiten in verschiedenen Workshops (Chor, Band, Tanz, Theater, Technik, Bühnenbild etc.) eine Bühnenshow, die sie nach einigen Monaten gemeinsam aufführen. Diese wird thematisch stark durch die selbst erarbeiteten Theaterszenen geprägt, die meist einen gesellschaftskritischen Charakter haben. Der Chor ist der zentrale Treffpunkt, an dem fast alle Teilnehmer/innen mitwirken. "Das hauptsächliche Merkmal von Ten Sing ist, dass es Jugendarbeit von Jugendlichen für Jugendliche ist. Die Ten Sing-Arbeit will den Teilnehmern die Möglichkeit geben, sich in vielen Bereichen auszuprobieren, sich einzubringen und Aufgaben zu übernehmen. Dadurch, dass neue Mitglieder gefördert werden und so schnell in Aufgaben hineinwachsen, sind viele der Mitarbeiter recht jung, wodurch die Zusammenarbeit zwischen leitenden und teilnehmenden Ten Singern eng ist."[3]

Anziehungskraft und Offenheit

TEN SING greift als Jugendkulturarbeit die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen auf und hat dadurch eine sehr hohe Anziehungskraft auf Jugendliche. Dies ist sicher eine Erklärung für den großen Erfolg der TEN SING Arbeit in ganz Europa. Offenheit findet hier nicht nur in der Theorie statt, sondern wird gelebt. Wer Lust hat, sich in einem der Bereiche einzubringen, ist willkommen. Musikalisch, thematisch und gestalterisch wird nach gemeinsamen Wegen gesucht.

Partizipation und Verantwortung

Das Ergebnis der etwa 9-monatigen Arbeit ist eine Bühnenshow, die von den Jugendlichen selbst entworfen und umgesetzt wird. Ältere und erfahrenere Mitarbeiter sehen sich dabei als Ansprechpartner und Coach. Nach und nach werden jüngere Teilnehmer in die Verantwortung hinein genommen: Vom begabten Theaterspieler über die Workshopleitung ins Leitungsteam. Dies betrifft alle Bereiche, auch Chorleitung und Organisation. So bleibt TEN SING immer an den Bedürfnissen der Jugendlichen, wird aber nie beliebig und ziellos. Es wird auch niemand "ins kalte Wasser" geworfen, sondern kann sich bei Seminaren fortbilden und bekommt Rückmeldung in der wöchentlichen Arbeit. Diese enge Verzahnung von Reflexion und Ausbildung sowie das sukzessive Hineinwachsen in die Verantwortung sind stark prägend für die eigene Persönlichkeit. Wer hier lernt, Verantwortung zu übernehmen, wird dies auch in anderen Lebensbereichen anwenden können.

Sinn und Gemeinschaft

Bei TEN SING kann man viel lernen. Neben der musikalischen Schulung (Stimme und ggf. Instrument) lernen Jugendliche, sich bei Soloauftritten, Theaterszenen und Moderationen einem Publikum zu präsentieren. Das steigert das eigene Selbstwertgefühl. Wenn bei einer TEN SING Show Fehler passieren, lacht man gemeinsam und nicht über jemanden. Auch im organisatorischen Bereich, in Leitungsaufgaben, bei der Technik, im Gestalten von Plakaten und auf vielen weiteren Ebenen können Jugendliche Gaben entdecken und entwickeln. Gemeinsam etwas Sinnvolles zu tun, fördert die Gemeinschaft. Das wird insbesondere bei den regelmäßigen Probenwochenenden deutlich. Hier erlebt man, dass in einem Team viel möglich ist und Einzelkämpfer an ihre Grenzen kommen. Gegenseitiger Respekt wird eingeübt und gelebt. Durch das breite Angebot an Erfahrungsräumen bietet sich auch ein genderübergreifendes Arbeiten an. Jungen können sich in typischen Mädchenbereichen (z.B. Tanz) ausprobieren und umgekehrt (z.B. Technik).

Spaß und Professionalität

Das Proben und Vorbereiten ist manchmal anstrengend, macht aber auch Spaß. Bei der Bühnenshow muss immer die Balance zwischen Professionalität und "Lockerheit" gewahrt sein. Es muss Spaß machen, aber auch von guter Qualität sein. Bewertbare Leistungen müssen Jugendliche in hohem Maße an anderen Stellen erbringen. Hier aber geht es um selbstgesteckte Ziele und Anerkennung. Dieser optionalen Leistungsanforderung können sich die Jugendlichen stellen oder ausweichen. Wer dabei Bestätigung erfährt wird sich auch beim nächsten Mal große Mühe geben. Das ist eine wichtige Erfahrung. Dabei bleibt wichtig: schiefe Töne oder ein Texthänger im Theater sind nicht schlimm, denn es geht nicht darum, die Akteure untereinander zu vergleichen. Bei TEN SING gibt es übrigens kein Casting, wer sich zutraut ein Solo zu singen, darf das auch. Selbsteinschätzung wird also ebenfalls eingeübt.

Halt und Prävention

Wer eine Zeitlang bei TEN SING aktiv war, wird davon nicht unberührt bleiben. Sich in einer Gemeinschaft aufgehoben zu fühlen, Ansprechpartner zu haben, einen christlichen Jugendverband als verbindliche Anlaufstelle zu erfahren, die eigene Selbstwirksamkeit zu erfahren, gibt Sicherheit und Halt. Sinnvolle Beschäftigung entzieht destruktivem Verhalten den Nährboden. Kreative und zielorientierte Jugendarbeit ist somit auch Präventionsarbeit, beugt also Gewalt- und Drogenproblemen vor.

 

Unsere Ziele im Überblick

  • Offenheit für alle Jugendlichen, unabhängig von Herkunft, Vorerfahrungen und sozialem Hintergrund.
  • Jugendliche an  Planungen und Entscheidungen maßgeblich beteiligen, sodass die Show zu ihrem Projekt wird.
  • Eigene Gaben entdecken, weiterentwickeln und zum Einsatz bringen.
  • Die eigene Selbstwirksamkeit besser erfahren.
  • Selbsteinschätzung einüben.
  • Lernen, an einem Projekt dranzubleiben, bis es abgeschlossen ist.
  • Gemeinschaft erleben und mitgestalten.
  • Genderübergreifende Erfahrungen machen.
  • Halt geben und damit Gewalt- und Drogenprävention leisten.
  • Sinn im eigenen Handeln erkennen und das Selbstwertgefühl steigern.
  • Förderung der Entwicklung von jungen Menschen.

 

Der bekannte Hirnforscher Prof. Manfred Spitzer betont in seiner Auseinandersetzung mit Bildungskonzepten:

"...Offenheit, Mut, Neugier, Selbstkontrolle, Team- und Kritikfähigkeit sowie ein kleines Quäntchen Optimismus... . Dies alles lernt man im Sport, in der Musik und in der Kunst sowie beim Theaterspielen, von dem Hartmut von Hentig gesagt hat, dass es neben den Naturwissenschaften das einzig notwendige Schulfach sei."[4]

" ...es gibt gute Studien, die zeigen, dass Selbstkontrolle und Selbstwirksamkeit mit zum wichtigsten gehören, was ein Mensch überhaupt lernen kann. Und es gibt Studien, die zeigen, dass das ... auch von einem Bereich auf den anderen greift, wenn ich es also in der Musik kann, kann ich es anderswo auch. Ich kann es auf jeden Fall auch in der Schule, ... es hat mindestens einen so großen Einfluss auf den Schulerfolg wie zum Beispiel der Intelligenz-Quotient. ... deswegen noch einmal meine Forderung. Sport, Musik, Kunst und Theater, das sind die wichtigen Schulfächer."[5]

 

 

Planung und Team

Vom 24. bis 28. September 2014 werden wir mit Unterstützung von "TEN SING Hessen" unsere Ortsgruppe in Lohra gründen. Mit Werbung in Dorf und umliegenden Kirchengemeinden, sowie Schuleinsätzen am Freitag  werden wir zu einem Konzert von TEN SING Hessen einladen. Am Samstag können die Jugendlichen in Workshops "hereinschnuppern" und direkt am Abend ein Minikonzert präsentieren.  Im Anschluss wird es wöchentliche Proben in unserem Gemeindehaus geben. Ziel ist es, bis zum Frühsommer 2015 eine große Bühnenshow zu realisieren.

Das Team  arbeitet bereits jetzt auf die Gründung hin. Im April 2014 werden wir eine Woche lang ein Seminar des CVJM Gesamtverband in Dassel besuchen. Ihm gehören als Chorleiterin Sandy Badouin (Chorleiterausbildung B an der Chorleiterschule Marburg), Christian Rüdiger als hauptamtlicher Pädagoge und etwa 10 engagierte und erfahrene ehrenamtlich Mitarbeitende an.



[1] Hauptausschuss des CVJM-Gesamtverbandes am 12. und 13. April 2002, Quelle: http://www.cvjm.de/de/vereine-und-struktur/cvjm-ist/grundsatzpapiere/leitlinien/

[2] Berichte über unsere Veranstaltungen finden sich unter www.cvjm-lohra.de

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Ten_Sing, 2. Konzept

[4] Manfred Spitzer. Dopamin und Käsekuchen - Hirnforschung à la carte, Stuttgart 2013 , S. 51

[5] Ulrike Saalfrank: Interview mit Prof. Manfred Spitzer, Quelle: http://www.fitz-rosenheim.de/

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